Die Stielmerkmale der Möbel-Epochen
beziehen sich auf charakteristische, oft verspielte oder dekorative Gestaltungsmerkmale, die in verschiedenen historischen Stilepochen bei Möbeln auftreten. Diese Merkmale spiegeln den Zeitgeist, die gesellschaftlichen Ideale sowie handwerkliche und technische Entwicklungen wider.
Hier ein Überblick über die wichtigsten Möbel-Epochen und ihre typischen „Spielmerkmale“:
Im Mittelalter – besonders im Hoch- und Spätmittelalter (ca. 1000–1500) – war die Möblierung geprägt von Funktionalität, Einfachheit und zunehmend auch von religiös geprägtem Zierstil, vor allem in der Gotik. Die wichtigsten Stilelemente mittelalterlicher Möbel lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Bretterbauweise:
Möbel wurden aus dicken, aufrechten Brettern zusammengesetzt, oft ohne Rahmen.
Verbindungen erfolgten meist mit Holzdübeln oder Eisenbeschlägen.
Massive Formen:
Möbel waren robust und schwer.
Vorrangig für praktische Zwecke gedacht: Aufbewahrung, Sitzen, Arbeiten.
Vertikale Ausrichtung:
Gerade in der gotischen Phase strebten Möbel "nach oben", analog zur Architektur der Zeit.
Spitzbogen als Zierelement:
In Türen, Lehnen und Rückwänden eingefügt – stark von der Kirchenarchitektur beeinflusst.
Maßwerkverzierungen:
Ornamente wie Rosetten, Vierpässe, Fischblasen – typisch für die Gotik.
Häufig eingeschnitzt oder als offene Durchbrüche gestaltet.
Eisenbeschläge:
Funktionale Metallelemente wie Tragegriffe, Scharniere oder Riegel wurden sichtbar angebracht und oft dekorativ geschmiedet.
Intarsien (später):
Gegen Ende des Mittelalters vereinzelt einfache Einlegearbeiten aus Kontrasthölzern.
Natur- und Symbolmotive:
Dekore zeigten stilisierte Pflanzen, Tiere oder religiöse Symbole (z. B. Kreuze, Lämmer, Löwen).
Truhen als zentrales Möbelstück:
Universalmöbel zum Sitzen, Aufbewahren und Transportieren.
Oft reich verziert und in wohlhabenden Haushalten kunstvoll gestaltet.
Fehlende Bequemlichkeit:
Stühle waren selten gepolstert.
Komfort spielte eine untergeordnete Rolle – wichtiger war Funktion und Haltbarkeit.
Insgesamt waren Möbel des Mittelalters einfach, schwer und praktisch, im gehobenen Bereich aber zunehmend mit architektonischen und sakralen Stilelementen versehen.
Truhen mit Maßwerkverzierungen, als Allzweckmöbel
Stühle, Hochlehner-Stühle mit Brettsitz und geschnitzter Lehne
Kredenzen (als Vorrats- oder Präsentiermöbel, Vorgänger der Anrichte)
Schränke mit geschnitztem Dekor und Eisenbeschlägen
Betten mit geschnitztem Kopfteil und Baldachin (bei wohlhabenden Haushalten) l
Lesepulte oder Schreibschränke im klösterlichen Umfeld
| Stilmerkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Vertikale Ausrichtung | Möbel wirken hoch, schmal und streben „nach oben“ – wie die gotische Architektur |
| Maßwerk-Dekor | Spitzbögen, Rosetten, Vierpässe – wie in Fenstern gotischer Kathedralen |
| Spitzbögen | Charakteristisches Element auf Türen, Lehnen, Rückenflächen |
| Truhen als Hauptmöbel | Vielseitig verwendbar: Sitzgelegenheit, Aufbewahrung, Tisch und Stauraum in einem |
| Massive Konstruktionen | Möbel wirken robust, fast trutzig – Funktionalität stand im Vordergrund |
| Bretterbauweise | Möbel aus massiven Holzplattenschweren, senkrecht zusammengesetzten Brettern (nicht rahmengefertigt) |
| Schnitzereien | Reiche, oft sakrale Motive: Kreuzblumen, Drachen, Heilige |
| Dunkle Hölzer | Eiche dominiert, gelegentlich Nussbaum oder Ulme |
| Eisenbeschläge | Grobe Scharniere, Schlösser und Tragegriffe als funktionaler Schmuck, aus Schmiedeeisen |
| Sakraler Einfluss | Möbel erinnern in Form und Verzierung an Kirchenarchitektur und religiöse Kunst |
Starke Verbindung zur sakralen Kunst: Möbel wirkten wie „kleine Altäre“.
Im bürgerlichen Bereich einfacher gehalten, im Adelsstand und kirchlichen Umfeld reich verziert.
Möbel dienten oft auch zur Repräsentation von Macht und Frömmigkeit.
Merkmale: schwere Proportionen, geometrische Formen, klare Gliederung
Spielmerkmale:
Intarsien und Kassettenverzierunge (Einlegearbeiten aus verschiedenen Hölzern)
Masken, Hermen, Löwenköpfe
Motive aus der Antike (z. B. Säulen, Masken, Ranken)
Säulen und Pilaster mit floralen Kapitellen
Strenge Symmetrie und Proportionen
Architektonischer Aufbau (z. B. Pilaster, Gesimse)
Merkmale: Prunkvoll, dynamisch, monumental
Spielmerkmale:
Geschwungene Linien (C- und S-Schwingen)
Monumentale, kraftvolle Wirkung
Starke Plastizität und Dynamik
Üppige Verzierungen mit Schnitzereien (z. B. Voluten, Akanthusblätter)
Vergoldungen, Putten, Akanthusblätter, reich verzierte Oberflächen
Intarsien mit exotischen Hölzern
Verwendung von exotischen Hölzern
Merkmale: leicht, verspielt, elegant
Spielmerkmale:
Asymmetrische Formen, Rocaille-Ornamente (Muschelformen)
Leicht, elegant, verspielt
Blumenschnitzereien, zarte Pastellfarben und gebogene Formen
Zarte, Zierliche , gebogene Beine (z. B. Cabriole), florale Dekore
Häufige Verwendung von Lacken und Chinoiserien
Merkmale: streng, sachlich, an der Antike orientiert
Spielmerkmale:
Dekor in Form von Girlanden, Lorbeerkränzen, Löwenfüßen
Verwendung von Bronzeapplikationen
Ornamente: Kränze, Girlanden, Löwenfüße
Klare, gerade Linien
klare, Strenge Symmetrie, sachliche Form
Klare, gerade Linien
Edle, ruhige Holzarten (z. B. Mahagoni)
Merkmale: schlicht, funktional, bürgerlich
Spielmerkmale:
Schlicht, bürgerlich, funktional
Klare Linien, wenig Schmuck
Schlichte Ornamentik, dezente Intarsien
Fokus auf Proportion und Handwerkskunst
Helle Hölzer, häufig Kirsch- und Birnbaum
Sanft geschwungene Formen ohne Überladung
Intarsien eher dezent eingesetzt
Merkmale: Stilmix vergangener Epochen
Spielmerkmale:
Rückgriff auf vergangene Stile, Kombination von Gotik, Renaissance, Barock in einem Möbelstück
Reiche Schnitzereien, Maßwerk, Rosetten
Oft überladen und massiv
Reiche Ornamente und detailreiche Schnitzereien
Wiederaufnahme alter Zierelemente, aber oft massiver
Dunkle Hölzer, Kombination verschiedener Stilmittel
Merkmale: Naturverbundenheit, organische Linien, dekorativ
Spielmerkmale:
Organisch geschwungene Linien (Pflanzenformen, Ranken)
Naturmotive (z. B. Lilien, Schwäne, Insekten)
Geschwungene, fließende Linien
Verschmelzung von Kunst und Funktion
Kombination von Holz, Glas, Schmiedeeisen
Verwendung neuer Materialien (z. B. Glas, Metall)
Dekorativ, aber nicht überladen
Merkmale: elegant, luxuriös, geometrisch
Spielmerkmale:
Intarsien mit exotischen Hölzern und Perlmutt
Geometrisch, luxuriös, stilisiert.
Ornamente in Form von Zickzack, Stufen, Fächern
Hochglanzlacke, Chrom, Spiegelglas
Materialien wie Chrom, Glas, Ebenholz, Elfenbein
Klare Formen, elegante Oberflächen (Lack, Hochglanz)
Stilmerkmale:
Funktionalismus über Dekor
Reduktion auf das Wesentliche: „Form folgt Funktion“
Klare Linien, einfache Geometrie
Industrielle Materialien: Stahlrohr, Glas, Leder
Möbel oft modular und serienfähig